Eschede (Hintergrund)

Eschede|Endstation

Obwohl der französische Schnellzug TGV einsatzbereit war und die französische Regierung der Deutschen eine Zusammenarbeit bei seiner Weiterentwicklung anbot, bestand die deutsche Industrie auf einer Eigenentwicklung. Unter Beteiligung der Deutschen Bundesbahn mußte diese zum 150-jährigen Bahnjubiläum im Jahr 1985 einsatzbereit sein.

Noch vor Fertigstellung des Prototypen InterCityExperimental wurde mit der Serienfertigung der ICE Generation 1 (InterCityExpress) begonnen, um schnell milliardenschwere Aufträge an die Industrie vergeben zu können. Technische Erkenntnisse des Prototypen sollten erst später einfließen, um den Termin nicht zu gefärden.

Im laufenden Betrieb der ICE-1 zeigte sich nun, daß es zu Vibrationen der Fahrgestelle kommen kann, welche sich auf den Wagen übertragen und sich bis zu Übelkeit erzeugenden Schwingungen aufschaukeln können. Es wurden mehrere Lösungen vorgeschlagen, unter Anderem die beim TGV erfolgreich eingesetzte Luftfederung.

Man entschied sich für die günstigste, allerdings technisch zweifelhafte Variante des Einsatzes von gummigefederten Radreifen. Trotz des Hinweises des zuständigen Direktor für die Zulassung von Reisezugwagen, es seien zahlreiche Versuche und Erprobungen notwendig, die sich über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren hinziehen würden, entschied Bahnvorstand Roland Heinisch die ungetestete Einführung der bisher nur bei Geschwindigkeiten von ca. 50km/h eingesetzten Technologie für einen Zug, der 280km/h im Regelbetrieb erreichen sollte.

Am 1998-06-03 riß dem ICE-1 ›Wilhelm Conrad Röntgen‹ ein Radreifen, verkeilte sich im Zug und stellte eine Weiche um, die den Wagen aus dem Gleis heraus gegen die Pfeiler einer Straßenüberführung nahe des Ortes Eschede schleuderte. Die nachfolgenen Wagen verkeilten sich ineinander und wurden unter der einstürzenden Brücke begraben. 101 Menschen fanden bei Eschede aufgrund von politischem Druck bei der Entwicklung, fehlerhafter technischer Überprüfung und Geiz bei der Umsetzung von Sicherheits­richtlinien den Tod, weitere 88 Menschen wurden schwer verletzt.

Für das Video zum Song ›Eschede‹, der den Opfern des Unglückes gewidmet ist, gewann Silberschauer den Lima-Jugendfilmpreis 2006.

Dein Weg hat Dich zu uns gebracht,
erfahre meiner Schwestern Macht
,durch Deine Hand wird Schnee zu Eis,
und Deine Berührung sanft und leis,
wird unsern Weg nach Hause lenken
- wir wollen Dich auch reich beschenken!